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Praxis & Privatklinik nach §30 GewO im Königsgarten
Dr. med. Dr. med. dent. Gábor Császár

Dr. med. Dr. med. dent. Gábor Császár - Praxis
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Dysgnathie-Chirurgie "Fehlbiss"

Diagnose der Kieferfehlstellung

Zur Beurteilung des Gesichtsprofils wird das Gesicht in Drittel eingeteilt. In einem harmonischen Profil sind Kiefer-, Nasen- und Stirndrittel ähnlich groß. Die Verzahnung ist normal (Neutralbiss). Beim Vorliegen einer Kieferfehlstellung treten meist Abweichungen auf.
Betroffen können entweder der Unterkiefer, der Oberkiefer oder auch beide Kiefer sein. Abweichungen der Entwicklung können die Größe und die Breite des Kiefers betreffen. Je nach Lokalisation der Störung können die Kieferfehlstellung klassifiziert werden in
  • Rückbiss (Retrognathie): der Unterkiefer ist unterentwickelt, die Kinnspitze liegt zu weit zurück und es ist ein Doppelkinn erkennbar
  • Vorbiss (Prognathie): der Unterkiefer ist überentwickelt, die Kinnspitze liegt zu weit vorne
  • Offener Biss: das untere Gesichtsdrittel ist zu hoch, der Oberkiefer sitzt zu weit oben  und die Oberkieferzähne und Unterkieferzähne haben keinen Kontakt
  • Tiefer Biss: hier ist das Gegenteil der Fall, der Oberkiefer sitzt zu tief, man sieht zu viel Zahnfleisch (gummy smile)
  • Seitverschiebung (Laterognathie): Ober- und/ oder Unterkiefer sind seitlich zur Gesichtsmitte verschoben, wodurch eine Gesichtsasymmetrie entsteht
  • Kreuzbiss: der Oberkiefer ist zu schmal, sodass es zu einer falschen Verzahnung  und Zahnengstand kommt

Chirurgische Korrektur

Viele der oben genannten Fehlbildungen können auch in Kombination auftreten, sodass eine Operation beider Kiefer nötig ist, um ein optimales funktionelles und ästhetisches Ergebnis zu erzielen. Die Planung der Therapie erfolgt anhand der Auswertung von Röntgenbildern, Modellen und des äußeren Erscheinungsbilds.
In der operativen Korrektur erfolgt die Transposition (Verlagerung) des zahntragen Anteils der Kiefer. Nach Mobilisation der Kieferanteile ist eine Neupositionierung der Kiefersegmente in fast alle Richtungen möglich. Der Oberkiefer kann zusätzlich zur Lagekorrektur auch in der Breite angepasst werden. Hierbei wird die in der Pubertät geschlossene Gaumennaht geöffnet und der Oberkiefer allmählich in die gewünschte Breite gedehnt. Die getrennten Kieferanteile werden nach Neupositionierung mit Schrauben und Platten wieder befestigt, die dem Patienten erlauben gleich nach der Operation die Kiefer zu bewegen.

Kieferorthopädische Behandlung

Die chirurgische Korrektur eines Fehlbisses kann nur in Verbindung mit einer begleitenden kieferorthopädischen Vor- und Nachbehandlung erfolgen. In der Regel erfolgt diese Behandlung mit einer festen Spange, die bis zum Abschluss der gesamten Behandlung belassen wird. Der Kieferorthopäde bereitet die Zahnbögen des Ober- und Unterkiefer vor der Operation so vor, damit diese nach erfolgter Operation gut verzahnt sind. Dabei wird zunächst jeder Kiefer für sich betrachtet. D. h. das sich bis zur Durchführung der chirurgischen Korrektur der Biss  zunächst „verschlechtert“. Anhand von Modellen beurteilt der Kieferorthopäde den Fortschritt der Behandlung. Zum Abschluss der Vorbehandlung erfolgt die erneute Vorstellung beim Chirurgen zur Planung der Operation. Nach der Operation erfolgt durch den Kieferorthopäden die Feineinstellung der Verzahnung.

Surgery First

Im Gegensatz zur konventionellen kieferorthopädisch-chirurgischen Behandlung kann beim Surgery First-Konzept zuerst die operative Fehlbisskorrektur durchgeführt werden. Die kieferorthopädische Behandlung nach der Operation kann dadurch am Stück durchgeführt werden und ist essentiell für das optimale funktionelle und ästhetische Ergebnis.

Vorteile des Surgery First Konzepts:
  • verkürzte Behandlungsdauer, da 3 Monate nach einer Umstellungsosteotomie erhöhte Umbauprozesse im Knochen stattfinden und dadurch die Zahnbewegung beschleunigt werden kann
  • Vermeidung der vorrausgehenden "Verschlechterung" des Bisses durch die kieferorthopädische Vorbehandlung
  • Zeitpunkt des Therapiebeginns kann vom Patienten selbst bestimmt werden

Ob diese Art der Behandlung für Sie geeignet ist, können wir gerne individuell in einem Beratungsgespräch mit Ihnen und Ihrem Kieferorthopäden klären.

Die Operationsvorbereitung

Etwa 2-3 Wochen vor dem geplanten Operationstermin erfolgt die Aufklärung und die Operationsdiagnostik. Sie werden vom Ihrem Operateur über mögliche Komplikationen und Risiken aufgeklärt. Zur Planung der Operation werden aktuelle Kiefermodelle angefertigt, sowie spezielle Vermessungen des Gesichtsschädels vorgenommen. Sie haben in diesem ausführlichen Gespräch ausreichend Zeit Ihre Fragen beantworten zu lassen.
Für unser erfahrenes Operationsteam stellt diese ambulante Operation einen routinemäßigen Eingriff dar. Aufgrund der eingespielten Abläufe und erfolgten Planung wird dadurch Ihre Belastung so gering wie möglich gehalten.
Die chirurgische Korrektur der Kiefer erfolgt unter ambulanten Bedingungen und wird in Vollnarkose durchgeführt. Im Vorfeld der Operation erfolgt durch Ihren Hausarzt die Narkosevoruntersuchung bzw. die Vorbesprechung mit unseren Anästhesisten.

Modelloperation und Splintherstellung

Zur Verkürzung der Operation bzw. zur Erhöhung der Präzision während der Operation erfolgt im Vorfeld im zahntechnischen Labor die Planung der richtigen Kieferpositon. Anhand der angefertigten Gipsmodelle und der schädelbezüglichen Einstellung im Artikulator erfolgt die Simulation der Operation. Zur Gewährleistung der exakten Kiefergelenkspostion während der Operation wir zunächst ein Ausgangssplint erstellt, welcher sicherstellt das sich das Gelenk in der zuvor registrierten Position befindet.
Die Gipsmodelle der Kiefer werden in der gewünschten/geplanten Position miteinander verschlüsselt. Um diese Position sicher während der Operation zu übertragen, wird ein Splint erstellt. Dadurch ist bereits vor der eigentlichen Operation die spätere Position vorgeben. Werden beide Kiefer operiert, erfolgt die Einstellung der beiden Kiefer über die sogenannte Doppelsplinttechnik, wodurch die Kiefer nacheinander verlagert werden.
Damit nach der Operation die Kiefer in einer guten Bisssituation aufeinander treffen ist es notwendig das die Vorbereitung durch den Kieferorthopäden dementsprechend fortgeschritten ist. Zur Herstellung einer idealen Verzahnung erfolgt nach der Umstellungsoperation die Feinkorrektur durch den Kieferorthopäden.

Die Operation

Bei der operative Verlagerung des Unterkiefers ist es wichtig die ursprüngliche Position des Kiefergelenks zu erhalten. Dies geschieht über die im Labor angefertigte Ausgangsbissplatte. In dieser Ausgangssituation wird das Kiefergelenk am Oberkiefer fixiert, damit diese Position später exakt rekonstruiert werden kann. Verlagert wird am Unterkiefer lediglich der zahntragende Anteil. Die Trennung des Unterkiefers erfolgt im Bereich der Kieferwinkel beidseits durch eine modifizierte sagittale Spaltung unter Schonung des im Unterkiefer verlaufenden Nerven. Mit Hilfe des Zielsplints wird dieser zahntragende Anteil zum Oberkiefer ausgerichtet und fixiert. In dieser neuen Position werden die Unterkieferanteile nun mit speziellen Stellschrauben fixiert. Dies ermöglich eine präzise Positionierung des Kiefergelenks und gewährleistet eine stabile Verbindung, welche eine sofortige Bewegung durch den Patienten zulässt. Hierzu ist lediglich eine minimale Inzision an der äußeren Wange notwendig, durch die diese transbukkale Verschraubung erfolgt.
Im Oberkiefer erfolgt die Trennung überhalb der Zahnwurzeln. Nach vollständiger Trennung und Lösung vom Schädel kann der Oberkiefer nun mit Hilfe des Zielsplints in die gewünschte Position verlagert werden. Die Befestigung erfolgt im Oberkiefer über Miniplatten aus Titan welche über den Knochenspalten liegen. Verbliebene Knochenspalten werden in der Regel mit Knochengranulat aufgefüllt.
Sollten beide Kiefer gleichzeitig operiert werden, erfolgt die Verlagerung schrittweise unter Verwendung des Doppelsplints. Zunächst wir der Oberkiefer in der Zielpositon befestigt um anschließend den Unterkiefer hierzu auszurichten.
Sie werden bereits am Operationstag am späten Nachmittag oder Abend nach Hause entlassen.

Die Nachsorge

Die erste Kontrolle nach der Operation erfolgt am zweiten Tag nach der Operation, an welchem die Wunddrainagen entfernt werden. Hierzu werden Sie wieder in unserer Praxis vorstellig. Etwa eine Woche später erfolgt die Entfernung der Nähte. Ab diesem Zeitpunkt dürfen Sie wieder mit der gewohnten Mundhygiene beginnen. Bis zum Kontrolltermin 8 Wochen nach erfolgter Operation ist die Kaubelastung auf weiche Kost beschränkt.
Bereits kurz nach der Operation beginnt der Kieferorthopäde mit der Feineinstellung der Verzahnung. Diese dauert erfahrungsgemäß etwa 6-12 Monate. Nach dieser Zeit werden in einem kurzen Eingriff in Narkose die Schrauben und Platten aus dem Kiefer entfernt.

Die Risiken

Auch wenn chirurgische Eingriffe selten ohne Risiken sind, sind diese im Fall einer Kieferoperation relativ gering. Auftretende Komplikationen werden in der Regel sehr gut und schnell überwunden.
Direkt nach der Operation kommt es zu einer Schwellung der Gesichtsweichteile, welche etwa mit der Weisheitszahnentfernung vergleichbar ist. Nachblutungen bzw. Bildung von Blutergüssen können durch Einlage von Wunddrainagen, sowie eines Kompressionsverbands weitgehend vermieden werden. Durch die Schmerzmedikation sind dauerhafte Schmerzen die Ausnahme.
Gefühlsstörungen im Bereich der Lippen können durch gute Operationsplanung und operativer Erfahrung des Operateur so gut wie vermieden werden. Nach der Operation zeigen sich jedoch Sensibilitätsstörung durch eine Irritation des Nerven während der Operation. Diese äußert sich in kribbeln v.a. der Unterlippe. In der Regel verlieren sich diese Gefühlsstörungen über einen Zeitraum von mehreren Wochen bzw. Monaten. Die Funktion der Gesichtsmuskulatur ist zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt.
Bei Fragen oder Unsicherheiten sind wir selbstverständlich jederzeit für Sie erreichbar.

Zusätzlich mögliche Korrekturen

Für ein harmonisches Profil sind neben einer korrekten Einstellung der Kiefer, Nase und Kinn ausschlaggebend. Ästhetischen Verbesserungen an diesen beiden Strukturen können zum Beispiel im Rahmen der Metallentfernung auf Wunsch des Patienten (mit zusätzlichen Kosten) vorgenommen werden.

Die Kosten

Der behandelnde Kieferorthopäde stellt bei der Krankenkasse einen Antrag auf Genehmigung der kombiniert kieferorthopädisch-chirurgischen Behandlung. Bei erfolgreicher Genehmigung werden von den gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der kieferorthopädischen Behandlung sowie des chirurgischen Eingriffs übernommen.
Nicht übernommen werden die präoperativen funktionsdiagnostischen Leistungen zur Gewinnung aller notwendigen Informationen um ein optimales und vorhersagbares Ergebnis erzielen zu können. Dies beinhaltet die klinische und laborbasierte Analyse der Kiefer- und Gesichtsstrukturen, sowie die Herstellung einer Schiene, welche während der Operation eingegliedert wird um die geplante Bisssituation zu erreichen.
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